EnOcean für Planer
Funk statt Leitung heißt nicht automatisch Batterie und nicht automatisch Unsicherheit. Wer weiß, woher die Energie kommt und was die Bausubstanz mit dem Signal macht, kann eine Etage vor dem ersten Gerätekauf auslegen.
Woher die Energie kommt
Energy HarvestingEin EnOcean-Telegramm dauert etwa eine Millisekunde. Diese Kürze ist der ganze Trick: Die Energie eines Tastendrucks, weniger Minuten Innenlicht auf einer kleinen Solarzelle oder einer Temperaturdifferenz reicht aus, um eine Nachricht zu senden. Ein dauerhaft funkender Sensor bräuchte ein Vielfaches davon.
Ganz ohne Batterie kommen trotzdem nicht alle Geräte aus. Ein CO2-Sensor muss eine Messzelle betreiben, ein Radonsensor eine Ionisationskammer, und ein Raum ohne Fenster liefert keiner Solarzelle Licht. In unserem Programm arbeiten mehrere Geräte deshalb mit Batterie oder mit Netzteil; welche das sind, steht in der Versorgungstabelle auf der Seite Technische Infos.
Für die Planung zählt die Folge daraus: Wo eine Leitung nötig ist, gehört sie in die Elektroplanung. Wo eine Batterie sitzt, gehört der Wechsel in die Wartungsplanung, mit Angabe des Zellentyps.
Wie weit die Strecke trägt
Reichweite abschätzenWir planen mit einem Radius von etwa 12 Metern je Empfänger, das entspricht rund 450 Quadratmetern. Diese Zahl ist bewusst konservativ und ausdrücklich eine Planungsgröße, kein Messwert. Was ein Telegramm tatsächlich schafft, entscheidet die Bausubstanz auf dem Weg.
Leichte Bauteile wie Trockenbau, Holz und Glas dämpfen wenig. Ziegel und Kalksandstein dämpfen spürbar. Stahlbeton, Aufzugsschächte, Brandschutzwände und metallische Fassaden dämpfen stark bis vollständig. Dazu kommt der Winkel: Eine schräg durchdrungene Wand wirkt dicker, als sie ist.
Daraus ergibt sich der Rechenweg für eine Etage: Nutzfläche durch 450 Quadratmeter, aufgerundet, und für jeden baulich abgetrennten Bereich zusätzlich ein eigener Empfänger. Treppenhäuser, Technikräume und Tiefgaragen werden getrennt betrachtet, nicht mitgerechnet.
In der Praxis kommt man häufig mit weniger Empfängern aus. Das herauszufinden kostet aber eine Messung vor Ort, und die gibt es erst, wenn das Gebäude steht. Wer ausschreibt, rechnet konservativ und hält fest, dass die Zahl nach der Inbetriebnahme nach unten korrigiert werden darf.
Und die Gateways? Wir setzen eines je Etage an. Rechnerisch trägt eines bis zu 32 Empfänger und damit mehrere Geschosse, aber je Etage eines lässt sich abgeschlossen projektieren, einzeln in Betrieb nehmen und lokal warten – und es bleibt Reserve für Nachrüstung. Acht Etagen heißt also acht Gateways, nicht eines.
Koexistenz im 868er Band
Warum es nicht kollidiertDer Bereich 868,0 bis 868,6 MHz ist ein Frequenzband für Geräte mit geringer Reichweite und wird von vielen Anwendungen geteilt. Damit das gutgeht, begrenzt die europäische Funknorm die Sendezeit: In diesem Teilband darf ein Gerät höchstens ein Prozent einer Stunde senden.
Bei einer Telegrammdauer von etwa einer Millisekunde ist diese Grenze weit entfernt. EnOcean nutzt den Spielraum anders: Jedes Telegramm geht dreimal hinaus, mit zufälligem zeitlichem Versatz. Zwei Sensoren, die im selben Moment senden, treffen sich beim zweiten oder dritten Versuch nicht mehr.
Mehrere Empfänger dürfen dasselbe Telegramm hören. Das ist kein Fehler, sondern eingebaute Redundanz: Fällt ein EnoDisc® aus, kommt der Messwert weiter an, sofern sich die Bereiche überlappen. Einmessen muss man den Sensor dafür nicht; er meldet sich beim nächsten erreichbaren Empfänger.
Kann jemand die Telegramme mithören? Ein unverschlüsseltes Funktelegramm kann jeder Empfänger in Funkreichweite lesen – er bekommt damit einen Messwert und eine Geräte-ID, keinen Zugang zum System und keine Personendaten. Zur Verschlüsselung der Funkstrecke: Der EnOcean-Standard sieht sie vor, und wir stellen unsere Komponenten im Rahmen der Anforderungen des Cyber Resilience Act sukzessive darauf um. Welche Geräte heute verschlüsselt arbeiten, hängt am Gerät und am Stand der Umstellung – fragen Sie den Stand für Ihre Auswahl ab, bevor Sie ihn ausschreiben. Wir nennen Ihnen dazu keine pauschale Zusage, sondern den Stand je Artikel.
Was das für Ihre Ausschreibung heißt
8 Punkte- Funkstandard benennen: EnOcean nach ISO/IEC 14543-3-10, Mittenfrequenz 868,3 MHz.
- Verschlüsselung nicht pauschal fordern, sondern je Artikel den Stand abfragen – die Umstellung läuft.
- Geräteprofil (EEP) je Position angeben, sonst ist Interoperabilität nicht prüfbar.
- Empfängerzahl als Planungsgröße ausweisen und die Korrektur nach Inbetriebnahme zulassen.
- Abgetrennte Bereiche getrennt ausweisen: Treppenhaus, Technikraum, Tiefgarage.
- Versorgung je Gerät festlegen: Solarzelle, Batterie oder Netz.
- Bei Batteriebetrieb Zellentyp und Wechselintervall abfragen.
- Anschluss der Empfänger klären: Power over Ethernet, ein Datenpunkt je Empfänger.
Stand der Angaben: 16.09.2026. Regulatorische Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist immer der Wortlaut der jeweils geltenden Fassung.
- ISO/IEC 14543-3-10, Funkprotokoll, Fassung 2020.
- ETSI EN 300 220 zur Nutzung des Bandes 868,0 bis 868,6 MHz (Sendezeitbegrenzung 1 Prozent je Stunde).
- Planungsradius 12 m und 450 m²: eigener Erfahrungswert von DEUTA Controls, bewusst konservativ angesetzt.
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