Funkstandards im Vergleich
Welcher Funkstandard passt für welche Messaufgabe? Die Frage wird meistens zu früh gestellt. Zuerst steht fest, was gemessen wird, wie viele Punkte es sind, woher sie ihre Energie nehmen und wer die Anlage in zehn Jahren wartet – daraus folgt der Standard, nicht umgekehrt.
Die vier im Überblick
Was sie unterscheidetVier Funkverfahren begegnen einem in der Gebäudesensorik: EnOcean, Zigbee, LoRaWAN und Bluetooth Low Energy. Sie unterscheiden sich weniger in der Datenrate als in drei Punkten, die für die Planung zählen: woher das Gerät seine Energie nimmt, wie das Netz aufgebaut ist und was an Infrastruktur im Gebäude nötig wird.
Die folgende Tabelle nennt nur Eigenschaften, die in den jeweiligen Normen und Spezifikationen festgelegt sind. Reichweiten in Metern und Batterielaufzeiten in Jahren stehen bewusst nicht darin: Die hängen am einzelnen Gerät und an der Bausubstanz, nicht am Standard.
| Standard | Band (Europa) | Netzaufbau | Energie am Sensor | Was im Gebäude dazukommt |
|---|---|---|---|---|
| EnOcean | 868,3 MHz | Stern: Sensor sendet, Empfänger hören mit | Energy Harvesting möglich (Licht, Bewegung, Wärme), je Gerät auch Batterie oder Netzteil | Empfänger je Bereich, ein Gateway je Etage |
| Zigbee | 2,4 GHz (teils 868 MHz) | Vermaschtes Netz, netzversorgte Geräte leiten weiter | Batterie; netzversorgte Knoten als Router | Koordinator, dazu genug dauerversorgte Knoten für das Netz |
| LoRaWAN | 868 MHz | Stern über Gateways, große Funkzellen | Batterie, sehr sparsam | Gateway je Areal und ein Netzserver, der die Geräte verwaltet |
| Bluetooth LE | 2,4 GHz | Stern oder vermaschtes Netz (Bluetooth Mesh) | Batterie, meist Knopfzelle | Empfangspunkte oder Telefone der Nutzer als Empfänger |
Woran die Entscheidung wirklich hängt
Drei Fragen vor der StandardwahlDie Wahl fällt selten an der Funktechnik. Sie fällt an drei Fragen, die man beantworten kann, bevor ein einziges Datenblatt auf dem Tisch liegt.
Wofür welcher Standard gebaut ist
Typische EinsatzfelderDie vier Verfahren sind für verschiedene Aufgaben entworfen worden. Das erklärt, warum sie sich bei Energie, Topologie und Infrastruktur so deutlich unterscheiden – und es hilft bei der Einordnung, welches Verfahren einem in welchem Projekt begegnet.
EnOcean ist auf viele Messpunkte innerhalb eines Geschosses zugeschnitten: kurze, seltene Telegramme, Geräte ohne eigenen Netzanschluss, und eine Auslegung, die sich vor dem Kauf ausrechnen lässt. Raumluft, Belegung, Licht und Fenster in Büro-, Schul- und Verwaltungsgebäuden sind das Kerngeschäft. Die Werte gehen über ein Gateway je Etage in die Leittechnik.
LoRaWAN begegnet einem dort, wo Messpunkte weit auseinanderliegen: Liegenschaften mit mehreren Gebäuden, Außenanlagen, Zähler in entlegenen Technikräumen. Eine Funkzelle deckt ein ganzes Areal ab, dafür kommen ein Netzserver und dessen Betrieb hinzu.
Zigbee ist im Wohn- und Kleinobjektbereich verbreitet, vor allem bei Beleuchtung und Aktorik, wo ohnehin viele dauerversorgte Geräte hängen, die das vermaschte Netz tragen. Bluetooth LE ist dort zu Hause, wo das Telefon des Nutzers Teil der Lösung ist: Arbeitsplatzbuchung per App, Wegeleitung im Gebäude, Geräte, die vor Ort per Telefon eingerichtet werden.
In großen Projekten treffen sich diese Welten ohnehin. Zusammengeführt wird nicht auf der Funkstrecke, sondern erst dahinter – im MQTT-Broker oder in der Gebäudeautomation.
Was das für Ihre Ausschreibung heißt
8 Punkte- Den Funkstandard benennen, nicht die Marke: „EnOcean nach ISO/IEC 14543-3-10“ statt eines Herstellernamens.
- Das Geräteprofil mit ausschreiben (bei EnOcean das EEP), sonst ist Austauschbarkeit nicht zugesichert.
- Die Frequenz zum Zielmarkt festlegen: 868,3 MHz gilt für Europa, andere Märkte brauchen andere Varianten.
- Energiequelle je Gerätegruppe festschreiben: Solarzelle, Batterie oder Netzteil – und wer den Wechsel übernimmt.
- Die Infrastruktur als eigene Position führen: Empfänger, Gateway, Netzwerkanschluss und Stromversorgung.
- Bei vermaschten Netzen zusätzlich festlegen, wie viele dauerversorgte Knoten vorzusehen sind und wer das Netz pflegt.
- Bei LoRaWAN den Netzserver benennen: eigener Betrieb oder Dienst, und wem die Schlüssel gehören.
- Die Übergabe an die Gebäudeautomation getrennt vom Funkstandard beschreiben.
Stand der Angaben: 16.09.2026. Regulatorische Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und ersetzen keine Rechtsberatung. Maßgeblich ist immer der Wortlaut der jeweils geltenden Fassung.
- ISO/IEC 14543-3-10:2020, Information technology – Home electronic systems, Teil 3-10: Wireless short-packet (WSP) protocol – die Norm hinter EnOcean.
- ETSI EN 300 220, Short Range Devices im Band 863 bis 870 MHz: Sendezeitbegrenzung und Kanalzugriff.
- IEEE 802.15.4-2020: die Funkschicht, auf der Zigbee und Thread aufsetzen.
- LoRa Alliance, LoRaWAN Specification und Regional Parameters: Netzaufbau über Gateways und Netzserver.
- Bluetooth SIG, Core Specification und Mesh Profile: Stern- und Maschenbetrieb bei 2,4 GHz.
- Eigene Planungsgrößen (Empfänger je Bereich, ein Gateway je Etage) aus unseren Projekten; sie stehen ausführlich auf der Seite „Technische Infos“.
Rechnen wir Ihr Gebäude durch?
Schicken Sie uns Grundriss, Messgröße und Zielsystem. Sie bekommen einen Vorschlag für die Zahl der Geräte, eine Liste mit Bestellnummern und ein Angebot.